Seit fünf Jahren ist die ITB für mich ein fester Bestandteil meiner jährlichen Veranstaltungsplanung. Warum? Ganz wichtig: Austausch zum Thema Reisevertrieb, Branchengespräche, Freunde treffen. Nette Standparties (vielen Dank an das Team von bestfewo & neusta auch dieses Jahr wieder), Fitnessprogramm (46! Hallen insgesamt, wenn ich mich nicht verzählt habe, der ernsthafte ITB-Fachbesucher durchläuft sie im Laufe eines Tages mehrfach), Knowhow – die Reihenfolge der Aufzählung entspricht keiner Priorisierung.

40% der Reisenden buchen online

Die Digitalisierung spielt eine stetig zunehmende Rolle im Tourismus. Inzwischen buchen knapp 40% der Reisenden ihre Reisen online. Das überrascht nicht. Michael Buller, Vorstand des VIR, sieht großen Nachholbedarf beim digitalen Reisevertrieb. Auch hier keine Neuigkeiten, leider.

Jährlich führt der VIR (Verband Internet Reisevertrieb) schon seit 1970 die Studie “Reiseanalyse” durch. Bundesweit werden 7.700 Bürgerinnen* offline in einer face-to-face Befragung und online nochmal zusätzlich 2.500 (in zwei Wellen) befragt.

Dezentes Wachstum im Reisemarkt

Insgesamt entwickelt sich der Reisemarkt gut. Die Reisenden fahren häufiger in den Kurzurlaub und geben mehr für die längeren Reisen aus. Die Anzahl der Urlaubsreisenden geht zwar leicht zurück, allerdings steigen die Ausgaben pro Person deutlich bei den längeren Reisen, nämlich von 906 auf 958€ pro Person. Bei den Kurzreisen steigt die Anzahl der Kurzurlaube pro Person, gleichzeitig steigen auch die Ausgaben, allerdings marginal.

Reisevertrieb: Alle Bevölkerungsschichten sind im Internet – Angebote für Senioren fehlen

Die Gesamtentwicklung der Internetnutzung treibt den Reisevertrieb ins Internet. Inzwischen sind auch die über 50jährigen zu 75% im Internet, auch die Schichten mit geringerem Einkommen oder schlechterer Bildung sind vertreten. Das Internet ist also in der Breite der Bevölkerung angekommen.

Hier ein kurzer Einschub zu einem interessanten Vortrag von Stefan Spiegel von raysono zum Thema Senior User Experience. Die digitalen Anwendungen werden zum großen Teil von sehr jungen Entwicklern* gebaut. Genutzt werden sie aber zunehmend von älteren Zielgruppen mit ihren eigenen Bedürfnissen. Wer diese Zielgruppen und ihre Budgets für sich gewinnen möchte, muss sich mit ihnen auseinandersetzen und anfangen, für sie zu entwickeln.

Weitere Trends im Reisevertrieb

Mobile Geräte werden von 56% der Befragten für die Reiseplanung genutzt. Sehr viele Portale sind darauf noch immer nicht vorbereitet, auch wenn es sich hier nicht mehr um einen Trend handelt. Als weitere Trends sehen die Reiseexperten die sharing economy, das Internet der Dinge, Contentmarketing. An Stichworten findet sich wenig Neues. Die komplette Studie stellt der VIR online hier zur Verfügung (Update: Die Studie ist nicht mehr unter der ursprünglichen URL abrufbar).
Letztlich viel wichtiger ist es, den Rückstau an notwendigen Veränderungen aufzuarbeiten, vom Aufbau mobiler Angebote über die nutzerzentrierte Ausarbeitung von Produkten (und hier zählen stresserzeugende Angebote wie booking, die über die Zimmerverfügbarkeit den Buchenden unter Druck setzen meiner Meinung nach nicht dazu), bis zu einer tatsächliche Preistransparenz und vor allem der Vermittlung von Spaß und Neugier am Reisen. Die Urlauberin* freut sich hier mehr über ein solides, nutzerfreundliches, emotionales, informatives und vertrauenerweckendes Angebot als über häppchenweise Revolutionen.

Auch 2015 war die ITB für mich ein Highlight. Viele interessante Gespräche, ein Wiedersehen mit guten alten Bekannten und jede Menge Eindrücke nehme ich mit.

*Gemeint sind Männer und Frauen, ich nutze zur Vereinfachung nur eine Form der Geschlechtsbezeichnung, abwechselnd.